Valle Maira: Eine raumplanerische Betrachtung

Ein Leitfaden zur Erkennung von Entwicklungspotenzialen und zur räumlichen Neudefinintion zweier Gemeinden des Mairatales

Ein Leitfaden zur Erkennung von Entwicklungspotenzialen Ein Leitfaden zur Erkennung von Entwicklungspotenzialen

Immer mehr Menschen leben in den Städten, immer weniger Menschen suchen auf dem Land ihr Heil. Das Wachstum der Bevölkerung in den Alpen ist im Vergleich zu Resteuropa überdurchsschnittlich. Die Städte wachsen, ländliche Gebiete jedoch schrumpfen, teils extrem. Die Alpen stehen heute zwischen Entsiedlung und Verstädterung.

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Bevölkerungsentwicklung Mairatal

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie man mit entsiedelten Berggebieten umgehen soll und wie Architekten sinnvolle und vernünftige Planungen für schrumpfende Berggebiete durchführen können. Das Mairatal im Westen des Piemont ist es eines der am stärksten von Abwanderung betroffenen Täler der gesamten Alpen. Das Tal hat seit 1860 kontinuierlich Einwohner verloren, in manchen Gemeinden sind die Einwohnerzahlen um 90 % zurückgegangen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht.

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Die 13 Gemeinden des Tales werden einer Analyse im Hinblick auf Bevölkerung, Infrastruktur, Wirtschaft und Tourismus unterzogen. Im Anschluss daran wird eine Werkzeug vorgestellt, das es erlaubt, lokale Entwicklungspotentiale herauszufiltern und sie untereinander zu vernetzen. In einem weiteren Schritt werden diese Chancen anhand von zwei Gemeinden räumlich eingegrenzt. Die Arbeit widmet sich der These, strukturschwache Bergregionen durch konsequenten Rückbau und die Konzentration menschlichen Handelns auf wichtige, erhaltenswerte Orte zu reduzieren und der Natur freiwerdende Räume wieder zurückzugeben.

 

Die Entwürfe

Im Zuge der Arbeit wurden zwei erhaltenswerte Orte näher betrachtet und architektonisch umgestaltet. Architektur kann als Impulsgeber eintreten, wenn die Rahmenbedingungen und die Nutzungen auf die Bedürfnisse und lokalen Vorgaben abgestimmt werden.

 

Die Casa Corte

Die “Casa Corte” ist ein verlassenes und heute teils stark verfallenes Gebäude im südlichen Teil der Gemeinde. Es wird in der räumlichen Neuordnung der Gemeinde als erhaltenswerter Ort eingestuft. Im Zuge der erhaltenswerten Schutzhütten im der südlichen, hochalpinen Zone Canosios wird ein weiteres hinzugefügt. Das Gebäude ist eines der größten Einzelgebäude und hat einen hohen kulturellen Stellenwert.

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Casa Corte

Der Bau ist in seinem Urzustand aus zwei Materialien erbaut worden. Die Wände wurden aus dem typischen Schieferstein mit einem billigen Mörtel verfugt, die Decken, Terrassen und das Dach wurden aus lokalem Lärchenholz gefertigt. Diese zwei Materialien werden in ihrer Art und Weise weiterverwendet.

Aufgrund der schlechten Wärmedämmeigenschaften der Außenwände, aber der Notwendigkeit, die äußere Erscheinung des Bauwerkes zu erhalten, fällt die Entscheidung auf eine innen gelegte Wärmedämmung. Dies wird so umgesetzt, dass die Räume im Inneren mit eingesetzten Holzboxen versehen werden. Diese Boxen treten nur bei den Maueröffnungen nach Außen in Erscheinung. Sie schieben sich als Rahmen über die Mauern hervor.

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Casa Corte

Reinero

Reinero liegt auf einem hervorspringenden Hügel auf einem Südhang zwischen zwei weithin sichtbaren kleinen Kirchen. Die Bebauung zieht sich von der am äußersten Punkt liegenden Kirche nach Norden den Hang hoch. Die ersten Häuser entstanden im hohen Mittelalter und sind in veränderter Form heute noch erhalten.
In Reinero leben heute 24 Personen. Viele Gebäude stehen leer, werden nur saisonal bewohnt oder verfallen zusehends. Das Dorf verwandelt sich voraus-sichtlich in den nächsten Jahrzehnten zu einem Geisterdorf, das nur in den Sommermonaten bewohnt sein wird.

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Reinero

Das Dorf wird einer grundlegenden Neuorientierung unterzogen. Die für die Dorfstruktur wichtigen Gebäude werden erhalten, verlassene bzw. verfallene Gebäude werden umgenutzt. Der Vorschlag besteht aus einem zusammenhängenden Konzept aus Lebensmittelproduktion, Unterkünften, kulturellen Einrichtungen und Wohnraum.

Das markante Bauernhaus am Hauptplatz wird zum zentralen Punkt des Dorfes. Es wird als verbindendes Element zwischen Besucher und Einheimische angesehen. Einerseits wird es zum Ort des Geschehens im Dorf, andererseits zum Ankommenspunkt aller Besucher.

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Reinero